COPY ART - Kunst ohne Gunst in Heroldhausen?

Zur Bezeichnung der Kunst mit dem Fotokopierer haben sich erst verschiedene Begriffe gebildet.
Um 1960 entdecken bildende Künstler die Überraschenden gestalterischen Möglichkeiten der Fotokopiertechnik. Seitdem entwickelt sich die Copy Art oder auch Elektrografie zu einer eigenständigen Kunstform. Mit Hilfe von Maschinen, die eigentlich zur reinen Reproduktion gebaut wurden, wird es möglich Kunstwerke zu schaffen, die einmalige nicht kopierbare Originale sind! Der Begriff Copy Art hat sich heute weitgehend durchgesetzt. Er verknüpft den Wunsch nach Reproduktion und genauer Wiedergabe eines Sachverhalts (Copy) mit dem Streben nach künstlerischem , innovativem Ausdruck (Art).

Die vermutlich früheste Copy Art-Arbeit in Deutschland schuf Joseph Beuys 1964 mit seinem „Greta Garbo Zyklus“. Timm Ulrichs gestaltete 1967 mit der Arbeit „Die Photokopie der Photokopie der Photokopie ...“ eine der ersten konzeptuellen Kopisten, die den Rahmen der reproduktiven Fotokopie in seiner Schlichtheit umreißt und zugleich sprengt: ein scheinbar unendlicher Reproduktionsprozeß, der sich jedoch durch die allmähliche Selbstzerstörung des immer wieder kopierten Bildes bis zu seiner Auflösung (ein weißes Blatt) doch als endlich erweist.
Seit Ende der 70er Jahre entwickelt sich in Deutschland, anderen europäischen Ländern und vor allem in Nordamerika die Copy Art-Szene in unterschiedlichster Weise.

Nur wenige Künstler betreiben bis heute durchgängig die Copy Art in Deutschland als eigenständige Kunstrichtung und sehen in ihr ein
Werkzeug für ihren künstlerischen Ausdruck. Zu den deutschen Künstlern, die sich seit den 80er Jahren kontinuierlich mit dem Medium Fotokopierer auseinandergesetzt haben, zählen u.a. Fachbuchautor Klaus Urbons , Rolf Behme und Achim Schneyder. Auch in Werken von Anna und Bernhard Blume, Markus Oehlen, Walter Dahn findet die Copy Art als Stilmittel Anwendung.
Axel Wiczorke kam in den 90ern dazu als er in einem Berliner Copyshop arbeitete. Hier lernte er die verschiedensten Kopiergeräte kennen und experimentierte vor Ort. Aus falsch eingelegten Folien entstanden durch unerwünschte thermische Einwirkungen z.B. fragile Miniaturskulpturen. Auch das klassische Selbstportrait eines Kopisten (Kopf auf der Glasscheibe, Augen zu) ist in der Ausstellung zu sehen. Es bewegt sich sanft in einer Installation aus 32 Din A4 Kopien zu dem Luftstrom aus einem Ventilator und erscheint so fast lebendig. Der "Unterwasserblick" auch ein Selbstportrait des Künstlers Axel Wiczorke begegnet dem Betrachter aus einem hinterleuchteten Objektkasten was das ganze noch plastischer macht. Eine übergroße Farbkopie auf Leinwand gebracht wirkt wie ein bizarres Landschaftsbild und es fehlt, falls es je in einen üppigen Goldrahmen gepresst wird, nur noch der röhrende Hirsch im digitalen Gebüsch. Ja, selbst ein Film wurde aus 12 Kopien auf einfachste Art und Weise hergestellt und läuft auf einem Plattenteller mit 17 UdM.

Die Ausnahmeausstellung ist noch bis 28.10.2007 in der Galerie AbraxaArt in Heroldhausen zu besichtigen.

Antje Kunz am 3.10.2007

Quelle: Klaus Urbons Copy Art 1992, Dumont Verlag